Erdsauna — Die ursprünglichste Form der Sauna 2026

Erdsauna — in den Hügel gegrabene ursprüngliche Sauna aus Stein und Erde Die Erdsauna — gegraben aus der Erde, beheizt mit Feuer und Stein. Saunieren so, wie es die Menschen seit Jahrtausenden tun.
💡 Gut zu wissen: Die Erdsauna ist die Urform aller Saunas — eine in einen Hügel oder Abhang gegrabene Kammer, in der ein offenes Steinfeuer Temperaturen von bis zu 110–130 °C erzeugt. Das Erdreich selbst dient als Isolierung und speichert die Wärme stundenlang. Wer einmal in einer echten Erdsauna gesessen hat, versteht, warum diese archaische Form für viele Saunafans das ursprünglichste und intensivste Saunaerlebnis überhaupt ist.

Als ich das erste Mal von einer Erdsauna hörte, dachte ich an Keller und Erdlöcher — nicht gerade verlockend. Dann stand ich vor einem in einen bewaldeten Hügel gegrabenen Eingang, trat durch eine niedrige Holztür und wurde von einer Hitze empfangen, die sich anders anfühlte als alles, was ich aus modernen Saunas kannte: schwerer, uriger, tiefer. Die Wände aus Erde und Stein, ein offenes Feuer auf roh gestapelten Felsbrocken, Rauch, der durch einen einfachen Schlot nach oben zog — die Erdsauna, auch Erdkellersauna oder Rauchsauna genannt, ist keine romantisch verklärte Attraktion für Folklore-Touristen. Sie ist das, was Sauna war, bevor es Elektroofen, Fichtenholzverkleidung und Spa-Preislisten gab.

In diesem Ratgeber erkläre ich dir alles, was du über die Erdsauna wissen musst: Geschichte und Herkunft, genaue Bauweise, wie das Heizsystem funktioniert, welche Temperaturen erreicht werden, was sie von einer modernen finnischen Sauna unterscheidet, wie du eine Erdsauna selbst bauen kannst, wo du dieses Erlebnis in Deutschland findest — und ob die außergewöhnliche Hitze wirklich gesundheitlich sinnvoll ist.

🌍 Was ist eine Erdsauna? Geschichte und Ursprung

Die Erdsauna ist die älteste überlieferte Form der Sauna und damit gewissermaßen die Mutter aller Schwitzbäder. Archäologische Funde in Finnland, den baltischen Staaten und Skandinavien belegen, dass Menschen bereits vor über 2.000 Jahren Erdhöhlen oder in Hügel gegrabene Kammern als Schwitzbäder nutzten. Die älteste bekannte Sauna der Welt, die auf einem Inselstück im finnischen Archipel ausgegraben wurde, war exakt dieser Typ: ein einfaches Erdloch mit Steinen, auf denen Feuer entfacht wurde.

Das Prinzip ist bestechend simpel und genial: Man gräbt eine Kammer in einen natürlichen Hügel oder Erdwall, stapelt große Steine in der Mitte oder an einer Seite, zündet darunter ein Feuer an und lässt die Steine über viele Stunden erhitzen. Wenn die Steine glühend heiß sind, wird das Feuer gelöscht, die Asche entfernt — und erst dann betritt man die Sauna. Wasser auf die glühenden Steine: der Aufguss, der Dampfstoß, der löyly. Das Erdreich ringsum speichert die Wärme so effizient, dass die Kammer bis zu sechs Stunden auf Temperatur bleibt.

In Finnland trägt diese ursprüngliche Form den Namen savusauna — Rauchsauna — weil das Feuer ohne Schornstein direkt im Saunaraum brennt und Rauch durch Ritzen und eine einfache Öffnung entweicht. In den baltischen Ländern, besonders in Lettland und Litauen, hat die pirts oder pirtis — die rauchige Erdsauna — ebenfalls eine lebendige Tradition, die seit 2020 zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört. Ähnliche Konstruktionen findet man auch bei indigenen Völkern Nordamerikas (das sweat lodge), in Sibirien, Korea (Jjimjilbang hat Vorläufer mit Erdkonstruktionen) und in Teilen Ostafrikas — das Schwitzbad in der Erde scheint ein universelles menschliches Bedürfnis zu sein.

Was mich fasziniert hat, als ich mich tiefer mit der Geschichte beschäftigte: Die Erdsauna war in vorindustriellen Gesellschaften weit mehr als ein Ort zum Schwitzen. Sie war Geburtsraum, Krankenstube, Ort für spirituelle Rituale, für Wochenbettbehandlungen und für die Vorbereitung der Verstorbenen. In diesen Gemeinschaften galt die Sauna als heiliger Ort — und die Erdkonstruktion, gewissermaßen im Schoß der Erde liegend, verstärkte diese symbolische Bedeutung noch.

In Deutschland war die Erdsauna nie weit verbreitet — das Badhaus und später die Badeanstalten des 18. und 19. Jahrhunderts waren andere Traditionen. Die moderne deutsche Saunakultur ist stark vom finnischen Vorbild geprägt, wie sie im 20. Jahrhundert importiert wurde. Trotzdem erlebt die Erdsauna heute eine bemerkenswerte Renaissance: Naturresorts, Wellness-Retreats und Outdoor-Sauna-Enthusiasten entdecken diese archaische Form wieder neu — als Gegenpol zur technisierten Spa-Welt.

Im Inneren einer traditionellen Erdsauna — heiße Steine, Holzbalken und Erdwände Im Inneren einer traditionellen Erdsauna — rustikale Atmosphäre pur

🏗️ Bauweise einer Erdsauna — So ist sie konstruiert

Die Bauweise der Erdsauna ist in ihrer Grundform seit Jahrtausenden nahezu unverändert. Trotzdem gibt es verschiedene Ausführungen, die je nach regionalem Stil, Klima und verfügbaren Materialien variieren. Das Grundprinzip: eine in das Erdreich eingebettete Kammer, die Wärme speichert, Witterung abhält und einen möglichst gleichmäßigen Hitzraum bildet.

Standortwahl und Erdarbeiten

Eine traditionelle Erdsauna wird in einen natürlichen Hügel, einen Erdwall oder einen Hang gegraben. Der Zugang erfolgt von der Seite oder leicht von oben durch eine niedrige, massive Holztür. Die ideale Tiefe liegt bei 1,8 bis 2,2 Metern, die Breite bei 2,5 bis 4 Metern, je nach beabsichtigter Personenzahl. Das Erdreich über der Kammer sollte mindestens 60–80 cm stark sein, um als thermische Masse zu wirken. Tonhaltiger Lehmboden eignet sich am besten — er hält die Form und ist von Natur aus wenig wasserdurchlässig.

Konstruktion der Kammer

Die Wände der Erdsauna werden traditionell mit Findlingen, Natursteinen oder grob behauenen Holzbalken ausgekleidet, die die Erde stützen. In modernen Interpretationen werden Erdkammern zusätzlich mit einer Lehm- oder Natursteinschicht verkleidet, die ebenfalls Wärme speichert und die Stabilität erhöht. Die Decke besteht aus rohen Holzbalken, über die Erde, Moos oder Grassoden gelegt werden — eine natürliche, lebendige Isolierung, die zudem das Gebäude optisch in die Umgebung einbettet.

Der Steinherd — das Herz der Erdsauna

Im Zentrum oder an einer Wand der Erdsauna liegt der Steinherd: eine freistehende oder gemauerte Ansammlung großer, hitzespeichernder Steine — idealerweise Vulkangestein, Granit oder Gabbro-Gestein. Die Steine werden auf einem Rost aus Eisenstäben gestapelt, darunter brennt das Holzfeuer. Die Steine müssen schwer genug sein, um Wärme über viele Stunden zu speichern — ein typischer Steinhaufen in einer Erdsauna wiegt 200 bis 500 kg. Zum Vergleich: Ein moderner Saunaofen trägt 20–40 kg Steine.

Belüftung und Rauchabzug

In der ursprünglichen Rauchsauna (savusauna) gibt es keine Schornsteinkonstruktion — Rauch entweicht durch einen einfachen Schlot oben in der Erddecke oder durch Ritzen in der Holztür. Das bedeutet: Während des Heizens ist die Sauna vollständig verraucht und unbenutzbar. Erst wenn das Feuer vollständig abgebrannt ist und gelüftet wurde, betritt man den Raum. Modernere Erdsaunas haben einen gemauerten Schornstein oder Abzugsrohr, der den Rauch nach außen leitet.

💡 Gut zu wissen: Der Bau einer Erdsauna erfordert ein geeignetes Grundstück mit natürlichem Gefälle oder Hügelrelief. Flache Grundstücke sind weniger geeignet, weil der aufgeschüttete Erdwall stabil bleiben muss. Vor dem Bau unbedingt das Grundwasser prüfen — eine zu wasserreiche Bodenschicht verhindert eine sichere Konstruktion. Wer auf einem Gartensauna-Grundstück plant, sollte die Bodenbeschaffenheit mit einem Geo-Experten besprechen.

Sitzbänke und Innenausstattung

In der Erdsauna sind die Sitzbänke einfache, rohe Holzbretter oder gestapelte Baumstämme — keine lackierten oder gehobelten Einbaumöbel wie in modernen Saunas. Die Bänke liegen oft direkt auf der Erde oder auf einfachen Steinpfeilern. Es gibt üblicherweise zwei Ebenen: eine untere, kühlere Bank (ca. 60–70 °C) und eine obere, heiße Bank nahe an der Steinwand (90–110 °C). Ein Eimer Wasser, eine einfache Kelle aus Holz und ein Birkenbesen (vihta) sind die typische Ausstattung.

Bauweise einer Erdsauna — in den Hügel gegrabene Kammer mit Steinheizung Bauweise einer Erdsauna — in den Hügel gegraben

💡 Funktionsprinzip — Wie heizt eine Erdsauna?

Das Heizprinzip der Erdsauna unterscheidet sich fundamental von allem, was moderne Saunaöfen machen. Kein Thermostat, kein Elektroofen, keine gezielt steuerbare Heizleistung — stattdessen ein langsames, geduldiges Aufheizen durch Feuer und Stein, das die gesamte thermische Masse der Konstruktion einbezieht.

Die Aufheizphase — 3 bis 5 Stunden

Das Anheizen einer Erdsauna ist kein schneller Vorgang. Man entzündet das Feuer unter dem Steinhaufen und lässt es 3 bis 5 Stunden brennen — so lange, bis die Steine durch und durch auf 400–600 °C erhitzt sind. Nicht die Lufttemperatur im Raum ist hier entscheidend, sondern die Kerntemperatur der Steine selbst. Nur ausreichend tiefgeheizte Steine erzeugen beim Aufguss den charakteristischen trockenen, langen Dampfstoß. Bei modernen Saunaöfen mit 20–40 kg Steinen dauert das Aufheizen 30–60 Minuten — bei einem 300-kg-Steinhaufen in der Erdsauna braucht man entsprechend mehr Zeit und mehr Energie.

Wärmeabgabe durch thermische Masse

Das Besondere am Erdsauna-Prinzip ist die enorme thermische Masse. Die heißen Steine geben ihre gespeicherte Energie über viele Stunden gleichmäßig an den Raum ab — ohne Nachheizen, ohne Energiezufuhr. Eine gut aufgeheizte Erdsauna hält ihre Betriebstemperatur für 4 bis 8 Stunden. Das macht sie ideal für Gemeinschaftssitzungen über den ganzen Tag und erklärt, warum sie in früheren Kulturen als "wirtschaftlich" galt: einmal angeheizt, konnte eine ganze Dorfgemeinschaft stundenlang die Wärme nutzen.

Der Aufguss in der Erdsauna

Das Aufguss-Prinzip ist dasselbe wie in jeder anderen Sauna — Wasser auf heiße Steine, Dampfstoß, erhöhte Luftfeuchtigkeit. Der Unterschied liegt in der Intensität: Bei Steinen, die auf mehrere Hundert Grad erhitzt wurden, ist der Dampfstoß sofortiger, heißer und trockener als bei einem normalen Elektroofen. Wer das Aufguss-Ritual aus der modernen Sauna kennt, wird in der Erdsauna erstaunt sein, wie viel wuchtiger die Wärmewelle ist. In traditionellen Erdsaunas wird auch heute noch der Birkenbesen (vihta) eingesetzt — ein Bündel frischer Birkenäste, mit dem man die erhitzte Luft auf die Haut peitscht und gleichzeitig eine mild stimulierende Massagewirkung erzielt.

Rauchentwicklung und Vorbelüftung

In echten Rauchsaunas muss der Raum nach dem Abbrennen gründlich belüftet werden — üblicherweise 30–60 Minuten bei geöffneter Tür. Der Russniederschlag auf Wänden und Steinen hat dabei eine interessante Nebenwirkung: Er wirkt antimikrobiell und erklärt, warum Rauchsaunas trotz primitiver Hygiene als gesundheitlich unbedenklich gelten. Modernere Erdsaunas mit Schornstein umgehen dieses Problem und sind sofort nach dem Abkühlen des offenen Feuers nutzbar.

🌡️ Temperatur und Klima in der Erdsauna

Die Temperatur ist das, was Erdsauna-Erfahrungen von allem anderen unterscheidet. Wer die Zahlen zum ersten Mal liest, glaubt ihnen kaum:

Saunatyp Temperatur Luftfeuchtigkeit Aufheizzeit
Erdsauna / Rauchsauna 100–130 °C 20–50 % 3–5 Stunden
Finnische Sauna 80–100 °C 10–20 % 30–60 Min.
Bio-Sauna 50–65 °C 40–60 % 20–30 Min.
Dampfbad 40–50 °C 90–100 % 15–20 Min.
Infrarotsauna 35–55 °C 10–25 % 10–15 Min.

Die Erdsauna ist damit die heißeste Form des Schwitzens, die es gibt. 110–130 °C klingen wie eine Foltervorrichtung — aber das ist zu kurz gedacht. Die Temperatur in der Sauna hängt nicht nur vom Thermometer ab, sondern auch von der Luftfeuchtigkeit. Die Erdsauna hat trotz ihrer enormen Hitze eine moderate Luftfeuchtigkeit (20–50 %) — viel angenehmer als die 100 % eines Dampfbades bei 45 °C. Der Körper schwitzt, verdampft den Schweiß und kühlt sich so selbst herunter. Solange das klappt, ist auch extreme Hitze für gesunde Menschen erstaunlich gut erträglich.

Die Wärme fühlt sich anders an als in einer modernen Sauna: weicher, umhüllender, gleichmäßiger. Der Grund liegt in der Strahlungswärme der Steine, die den gesamten Raum von allen Seiten beheizt — nicht nur von einem Punktofen in der Ecke. Man spürt die Hitze weniger als stechend und mehr als durchdringend. Ein erfahrener Saunagänger beschrieb es mir einmal treffend: "Die normale Sauna wärmt von außen. Die Erdsauna wärmt von innen heraus."

💡 Gut zu wissen: Ein zuverlässiges Sauna-Thermometer mit Hygrometer ist in der Erdsauna besonders wichtig — denn die Temperatur kann schnell auf gefährliche Werte steigen, ohne dass man es sofort merkt. Anfänger sollten mit maximal 15–20 Minuten Aufenthalt beginnen und auf ihren Körper hören.

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🔥 Erdsauna vs. finnische Sauna — Die wichtigsten Unterschiede

Wer beide Erfahrungen kennt, weiß: Erdsauna und finnische Sauna sind verwandt, aber nicht gleich. Der Unterschied liegt nicht nur in der Konstruktion, sondern im gesamten Erlebnis, im Tempo, in der Intensität und in der Philosophie dahinter.

Die finnische Sauna, wie sie heute in Deutschland gebaut und genutzt wird, ist ein geplantes, kontrolliertes Erlebnis. Du schaltest den Ofen ein, wartest 45 Minuten, gehst hinein, dosierst den Aufguss mit einer kleinen Kelle, regulierst die Lüftung. Der Ofen hält die Temperatur konstant. Der ganze Vorgang ist reproduzierbar, vorhersehbar und bequem. Das ist kein Kritikpunkt — es macht die finnische Sauna zum funktionierenden Alltags-Wellness-Instrument, das Millionen Menschen regelmäßig nutzen.

Die Erdsauna ist das Gegenteil davon. Sie erzieht zur Geduld: Man heizt sie über mehrere Stunden an, bevor man sie nutzen kann. Der Aufheizprozess ist ein Gemeinschaftsritual — in Finnland ein Anlass, Holz zu hacken, Feuer zu hüten, Bier zu trinken. Das Ergebnis ist eine Wärme, die sich grundlegend von einer elektrisch geheizten Sauna unterscheidet. Der Dampf ist rauer, intensiver, der Raum dunkler, die Atmosphäre erdiger. Es gibt keine Schicht Holzverkleidung zwischen dir und der Erde.

Ein weiterer zentraler Unterschied: die Steinqualität und -masse. In modernen Saunaöfen sorgen Saunasteine von 10–40 kg für den Aufguss. In der Erdsauna liegen diese Zahlen zehnfach höher. Das bedeutet: mehr gespeicherte Energie, länger anhaltende Wärme, intensiverer Dampfstoß beim Aufguss. Wer die passenden Steine für eine Erdsauna sucht, sollte auf Vulkangestein oder Olivin-Diabas setzen — dieselbe Empfehlung gilt übrigens für normale Öfen.

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💪 Gesundheitliche Wirkung der Erdsauna

Die gesundheitlichen Grundwirkungen der Erdsauna sind dieselben wie bei jeder anderen Saunaform — und die sind gut belegt. Regelmäßiges Saunieren verbessert die Herz-Kreislauf-Gesundheit, fördert die Durchblutung, entspannt Muskeln und Bindegewebe, unterstützt das Immunsystem und hat positive Effekte auf Schlaf und mentales Wohlbefinden. Die große finnische KIHD-Studie (Laukkanen et al., 2015) zeigte, dass Menschen, die viermal oder öfter pro Woche saunierten, ein signifikant niedrigeres Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen hatten.1

Die Erdsauna hat durch ihre spezifischen Eigenschaften jedoch einige zusätzliche oder verstärkte Wirkungen:

Tiefe Gewebedurchdringung durch Strahlungswärme

Die Infrarotstrahlung der heißen Steine in der Erdsauna dringt tiefer ins Gewebe ein als die Konvektionswärme eines Elektroofens. Das führt zu einer intensiveren Muskelentspannung und wird von Sportlern, die Erdsaunas nutzen, als besonders effektiv bei Verspannungen beschrieben. Die Wirkung auf das Herz-Kreislauf-System ist durch die höheren Temperaturen entsprechend intensiver — was für gesunde Menschen ein Plus, für Menschen mit Herzproblemen ein Risiko darstellt.

Antiseptische Wirkung von Rauch (Rauchsauna)

In der traditionellen Rauchsauna lagert sich eine dünne Schicht Teer und Ruß auf den Wänden und indirekt auch auf der Haut der Saunagänger ab. Dieser Effekt klingt unangenehm, hat aber historisch eine wichtige Rolle gespielt: Rauchbestandteile wirken antimikrobiell und erklären, warum Wunden und Hautkrankheiten in der Rauchsauna behandelt wurden. Ob dieser Effekt gesundheitlich sinnvoll ist, wird in der modernen Medizin unterschiedlich bewertet — die antiseptische Wirkung ist belegt, mögliche Belastungen durch Verbrennungsprodukte sind ebenfalls zu berücksichtigen.

Stärkung des Immunsystems

Wie bei jeder Sauna gilt: Der Wechsel von extremer Hitze und anschließender Kühlung trainiert das vegetative Nervensystem und stimuliert die Produktion von weißen Blutkörperchen. Wer möchte, findet mehr zu diesem Thema in unserem Ratgeber zur Wirkung der Sauna auf das Immunsystem. Die Frage, wie oft man in die Sauna gehen sollte, um optimale Effekte zu erzielen, beantwortet unser Artikel zu Wie oft in die Sauna?

Mentale Wirkung: Entschleunigung und Präsenz

Der vielleicht unterschätzteste Aspekt der Erdsauna ist die mentale Wirkung. Ein Raum ohne Handy, ohne Spiegel, ohne Design — nur Erde, Steine, Feuer und Stille. Wer eine Erdsauna-Session beschreibt, betont fast immer diesen meditativen Aspekt: Man ist gezwungen, da zu sein. Die extreme Hitze erlaubt keine abschweifenden Gedanken. Viele Erfahrungsberichte beschreiben einen tiefen Zustand der Entspannung und Klarheit nach der Session, der über das normale Saunawohlbefinden hinausgeht.

💡 Wichtiger Hinweis zur Gesundheit: Die Temperaturen in der Erdsauna von bis zu 130 °C sind für Menschen mit Herzerkrankungen, sehr niedrigem Blutdruck, in der Schwangerschaft oder mit akuten Erkrankungen nicht geeignet. Einsteiger sollten immer mit der unteren Bank (kühlere Zone) beginnen, die Session auf 10–15 Minuten begrenzen und ausreichend Wasser trinken. Wer sich unsicher ist, spricht vor dem ersten Besuch kurz mit seinem Hausarzt. Mehr zur Sauna-Gesundheit allgemein findest du in unserem Übersichtsartikel.

🏛️ Erdsauna in Deutschland erleben — Wo gibt es sie?

Echte, traditionelle Erdsaunas sind in Deutschland selten — aber nicht unmöglich zu finden. Es braucht etwas Recherche und manchmal die Bereitschaft, ein paar Stunden zu fahren.

Naturresorts und Saunadörfer in Deutschland

Eine wachsende Zahl von Naturresorts und Outdoor-Wellness-Anbietern hat in den letzten Jahren Erdsaunas als Attraktion gebaut. Schwerpunkte sind Bayern (besonders der Chiemgau und das Allgäu), Schleswig-Holstein (Naturparks nahe der Küste), Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern (Seen- und Waldgebiete). Die Qualität variiert erheblich: Manche Anbieter bauen originalgetreue Konstruktionen nach finnischem oder baltischem Vorbild, andere bieten "Erdsaunas" an, die mehr einen Keller mit Holzofen darstellen.

Wer gezielt sucht, sollte nach Stichworten wie "Rauchsauna", "Savusauna", "Erdkellersauna" oder "ursprüngliche Sauna" suchen — nicht nur nach "Erdsauna", da das ein weniger einheitlich verwendeter Begriff ist. Saunadorf-Konzepte, die traditionelle Saunaformen vereinen, bieten oft neben finnischen Saunen, Fasssaunas und anderen Modellen auch eine Erdsauna an.

Finnland und die baltischen Staaten — das Original erleben

Wer das echte Erdsauna-Erlebnis sucht, kommt an Finnland, Lettland oder Estland nicht vorbei. Besonders in ländlichen Gegenden Finnlands, abseits der großen Städte, gibt es noch funktionsfähige Savusaunas, die nach wie vor genutzt werden. Die Lettische Pirts-Tradition, die 2020 zum UNESCO-Weltkulturerbe ernannt wurde, bietet ebenfalls geführte Erlebnisse in historischen Erdkellersaunas mit Zeremonien und Kräuteraufgüssen.

Selbst bauen oder einen Workshop besuchen

Als dritte Option bieten einige spezialisierte Handwerksbetriebe in Deutschland Workshops an, bei denen man gemeinsam eine Erdsauna baut und das Ergebnis direkt ausprobieren kann. Das ist teurer als ein normaler Saunabesuch, aber man lernt dabei nicht nur das Erlebnis kennen, sondern auch die Bauweise — ideal für alle, die eine eigene Erdsauna planen.

Alternativ lohnt sich auch ein Blick auf andere robuste Saunavarianten für den Außenbereich: Eine Gartensauna auf eigenem Grundstück kann mit einem Holzofen und großem Steinkorb eine ähnlich ursprüngliche Atmosphäre erzeugen, wenn auch nicht mit identischer Bauweise.

Erdsauna im Winter — Eingang im schneebedeckten Hügel, Rauch steigt auf Erdsauna im Winter — der Temperaturkontrast macht den Reiz aus

📋 Erdsauna selber bauen — Schritt für Schritt

Den Bau einer Erdsauna selbst anzugehen ist ein großes Projekt — aber machbar, wenn man handwerklich erfahren ist, ein geeignetes Grundstück hat und sich ausreichend Zeit und Budget einplant. Hier ist der strukturierte Ablauf:

Schritt 1: Standort und Planung (2–4 Wochen)

Wähle einen Hang oder Hügel mit mindestens 60–80 cm überlagernder Erde. Prüfe den Boden: tonhaltiger Lehmboden ist ideal, sandiger Boden ohne Stützung ist gefährlich. Messe den Grundriss: Für 4–6 Personen empfehle ich 3 × 4 Meter Grundfläche. Kläre Genehmigungsfragen mit dem zuständigen Bauamt — in vielen Gemeinden gelten Nebengebäude oder unterirdische Bauwerke als genehmigungspflichtig. Nimm das ernst: eine ohne Genehmigung errichtete Erdsauna kann zum Abriss verurteilt werden.

Schritt 2: Erdarbeiten (1–2 Wochen, Bagger empfehlenswert)

Grabe die Kammer mit einem kleinen Bagger oder von Hand aus. Das Aushubvolumen für eine 3 × 4 Meter Kammer mit 2 Metern Höhe beträgt etwa 24 Kubikmeter — rund 40 Tonnen Erde. Ohne Maschinen ist das eine mehrwöchige Arbeit. Schneide den Eingangsbereich als schräge Rampe heraus, um Regenwasser abzuleiten. Befestige die Wände sofort nach dem Aushub mit Sperrhölzern oder Natursteinmauerwerk, um Einsturz zu verhindern.

Schritt 3: Konstruktion von Wänden und Decke (1–3 Wochen)

Verkleidet die Wände mit Naturstein oder grob behauenen Kanthölzern (100 × 100 mm). Die Decke besteht aus robusten Holzbalken (mindestens 120 × 180 mm), die über den Grundriss gespannt werden. Auf die Balken kommen eine Lage Dachpappe zur Feuchtigkeitssperrung, dann Erde, Moos und Grassoden (optional). Mindestens 60 cm überlagernde Erde erhalten für die thermische Masse.

Schritt 4: Steinherd bauen (1 Woche)

Baue den Steinherd aus hitzebeständigen Ziegeln oder gemauerten Natursteinen. Der Rost aus Eisenstäben trägt den Steinvorrat. Plane den Steinherd mit mindestens 200–300 kg Vulkangestein oder Granit — je größer die thermische Masse, desto länger hält die Wärme. Baue entweder einen Schlot direkt nach oben (Rauchsauna-Variante) oder ein Abzugsrohr durch die Rückwand zur Außenseite.

Schritt 5: Tür und Belüftung

Baue eine massige, isolierende Holztür — mindestens 5 cm starke Fichte oder Kiefer. Eine typische Sauna-Eingangstür ist bewusst klein und niedrig (ca. 170 cm Höhe, 60 cm Breite), um Wärmeverlust zu minimieren. Integriere eine regelbare Bodenlüftung gegenüber dem Ofen und eine abschließbare Deckenöffnung über dem Ofen.

Schritt 6: Sitzbänke und erste Probeheizung

Baue zwei Bänke aus unbehandeltem Holz (Abachi, Espe oder Lärche) — niedrige Bank 50 cm über dem Boden, obere Bank 120 cm. Erste Probeheizung: Heize die Erdsauna schrittweise auf, um Risse in frischem Mauerwerk zu vermeiden. Kontrolliere alle Fugen, den Schlot und die Türdichtung. Erst nach zwei bis drei Probeheizungen ist die Konstruktion vollständig einsatzbereit.

✅ Kosten einer Erdsauna — Was musst du einplanen?

Der Bau einer Erdsauna ist, anders als man vermuten könnte, nicht unbedingt günstiger als eine moderne Sauna. Die Erdarbeiten allein können teuer werden, wenn Maschinen nötig sind. Hier ist ein realistischer Kostenrahmen:

Position Kosten (Eigenleistung) Kosten (Fachbetrieb)
Erdarbeiten / Aushub 500–1.200 € 2.000–4.000 €
Holz (Balken, Dielen, Türe) 800–1.500 € 1.500–3.000 €
Saunasteine (200–400 kg) 300–700 € 300–700 €
Mauerwerk / Steinrost 400–900 € 1.500–2.500 €
Schornstein / Abzugsrohr 200–500 € 600–1.200 €
Baugenehmigung 200–600 € 200–600 €
Gesamt (Eigenleistung) 2.400–5.400 € 6.100–12.000 €

Zum Vergleich: Eine fertige Fasssauna mit Holzofen ist ab etwa 2.500–4.000 Euro zu haben und ist innerhalb weniger Tage aufgestellt — ohne Erdarbeiten, ohne Genehmigungsrisiko und ohne monatelange Bauzeit. Die Erdsauna punktet dafür mit einem einzigartigen Erlebnis, das kein Fass der Welt replizieren kann.

Wer keine eigene Erdsauna bauen möchte oder kann, findet in der Gartensauna mit Holzofen einen guten Kompromiss — besonders Modelle mit großem Steinkorb kommen der ursprünglichen Erdsauna-Erfahrung am nächsten. Ein gutes Aufguss-Set macht den Unterschied:

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❓ FAQ — Häufige Fragen zur Erdsauna

Was ist eine Erdsauna?

Eine Erdsauna — auch Erdkellersauna oder Rauchsauna (savusauna) — ist eine in einen Erdhügel oder Abhang gegrabene Sauna ohne modernen Heizofen. Ein zentrales Holzfeuer unter einem massiven Steinhaufen erhitzt den Raum auf bis zu 110–130 °C. Das Erdreich dient als natürliche Isolierung und hält die Wärme stundenlang. Sie gilt als ursprünglichste Form der Sauna, die vor der modernen finnischen Sauna existierte und heute in Finnland und den baltischen Staaten noch aktiv gepflegt wird.

Wie heiß wird eine Erdsauna?

Erdsaunas erreichen Temperaturen von 100 bis 130 °C — deutlich heißer als moderne finnische Saunen (80–100 °C) oder Bio-Saunen (50–65 °C). Der Grund: Das Steinfeuer heizt direkt und speichert enorme Wärmemengen. Die Luftfeuchtigkeit bleibt durch Aufgüsse bei 20–50 %. Diese Kombination aus Hitze und Feuchtigkeit erzeugt eine intensive, durchdringende Wärme, die sich von der trockenen Elektrosauna grundlegend unterscheidet.

Was ist der Unterschied zwischen Erdsauna und finnischer Sauna?

Die Erdsauna ist in den Boden gegraben, beheizt mit offenem Holzfeuer direkt auf einem Steinhaufen (200–500 kg Steine) und erreicht Temperaturen bis 130 °C bei 3–5 Stunden Aufheizzeit. Die finnische Sauna steht überirdisch als Holzhaus, nutzt einen modernen Saunaofen (elektrisch oder Holz) und hält 80–100 °C bei 30–60 Minuten Aufheizzeit. Die Erdsauna ist archaischer, intensiver und erfordert mehr Vorbereitung — das Erlebnis ist dafür einzigartig.

Kann man eine Erdsauna selber bauen?

Eine Erdsauna lässt sich grundsätzlich selbst bauen — mit handwerklichem Geschick, einem geeigneten Grundstück und Genehmigung der zuständigen Baubehörde. Die Materialkosten bei Eigenleistung liegen bei rund 2.400–5.400 Euro. Kritisch sind die Erdarbeiten (Aushub ca. 24 m³), die Stabilität der Wandkonstruktion und der korrekte Rauchabzug. Als Alternative ohne Erdarbeiten empfehle ich eine robuste Gartensauna mit Holzofen und großem Steinkorb.

Welche gesundheitlichen Wirkungen hat die Erdsauna?

Die Erdsauna hat dieselben Grundwirkungen wie jede andere Sauna: Verbesserung des Herz-Kreislauf-Systems, Muskelentspannung, Stärkung des Immunsystems, Hautdurchblutung und mentale Entspannung. Durch die höheren Temperaturen und die Strahlungswärme der massiven Steine ist der Wärmeimpuls tiefer und intensiver. In traditionellen Rauchsaunas kommt eine antimikrobielle Wirkung des Rauches auf die Haut hinzu. Menschen mit Herzproblemen sollten wegen der extremen Temperaturen vorab ärztlichen Rat einholen.

Wo kann man in Deutschland eine Erdsauna erleben?

Echte Erdsaunas sind in Deutschland selten, aber vorhanden. Spezialisierte Naturresorts in Bayern, Schleswig-Holstein und Brandenburg bieten dieses Erlebnis an. Suche nach Begriffen wie "Rauchsauna", "Savusauna" oder "Saunadorf" in deiner Region. Wer das Original erleben will, ist in Finnland oder Lettland am besten aufgehoben — dort gibt es geführte Erdsauna-Erlebnisse in historischen Konstruktionen. Mehr zur deutschen Saunaetikette und zum richtigen Verhalten in traditionellen Saunas findest du in unserem separaten Ratgeber.

Alexander Krüger
Alexander Krüger — Sauna-Enthusiast mit Leidenschaft für ursprüngliche Saunakultur. Alexander hat neben seiner eigenen Fasssauna im Garten mehrere traditionelle Saunas in Finnland, Schweden und den baltischen Staaten besucht — darunter echte Savusaunas in abgelegenen finnischen Dörfern. Die Erdsauna war für ihn das intensivste Saunaerlebnis seines Lebens. Sein Ziel: dieses Wissen praxisnah und ohne Vereinfachung weiterzugeben. 🔥

Quellen & Methodik

  1. Timo A. Laukkanen et al.: „Association Between Sauna Bathing and Fatal Cardiovascular and All-Cause Mortality Events." JAMA Internal Medicine, 2015.
  2. Suomen Saunaseura (Finnische Saunavereinigung): „Savusauna — Geschichte und Tradition der Rauchsauna." Helsinki, 2023.
  3. UNESCO: „Sauna culture in Finland — Intangible Cultural Heritage." UNESCO-Nominierungsdossier, 2020.
  4. Liepāja Latvian Culture Centre: „Latvian Pirts Tradition — UNESCO Safeguarding Documentation." Riga, 2022.
  5. Harvia Oy: „Saunasteine und thermische Masse — Produkttechnik und Empfehlungen." Technisches Whitepaper, 2025.